Sonntag, 30. August 2015

The Man from U.N.C.L.E. (2015)

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/e/
e5/The_Man_from_U.N.C.L.E._poster.jpg
Guy Ritchie war zu Beginn des Jahrtausends schlagartig zum Hoffnungskind britischer Regisseure geworden. Mit "Bube, Dame, König, grAS" sowie dem noch besseren "Snatch – Schweine und Diamanten" hat er zwei Instant-Kultfilme geschaffen, die sich zwar ausgiebig am Baukasten tarrantino'scher Filmkunst bedienten, aber mit einem zutiefst schwarzem britischen Humor eine ganz eigene Handschrift aufwiesen. Nach mehreren schlechten bis egalen Filmen konnte er erst mit seinen Sherlock Holmes Filmen an seinen früheren Erfolg anknüpfen.
Nun also eine Kino-Adaption einer recht mittelmäßigen 60er Jahre Agenten-Serie. Guy Ritchie weiß, was das Publikum liebt und liefert eine mit Retro-Charme, augenzwinkerndem Humor, furioser Inszenierung und folgerichtig stückhafter Story angereicherte Agenten-Buddy-Komödie, die ähnlich wie Kingsmen auf der aktuellen Retro-Welle schwimmt und zeigt, wie ein 007-Film heutzutage aussehen könnte, wenn er nicht die ernste, düstere Richtung der Daniel-Craig-Inkarnation eingeschlagen hätte.

Zur Zeit des kalten Krieges müssen sich der CIA-Agent Napoleon Solo (was ein Name!!!) und sein russischer KGB-Kollege Illya Kuryakin zusammentun, um mit der taffen Berliner Mechanikerin Gaby Teller eine internationale Verbrecherorganisation ausfindig zu machen und sie am Einsatz atomarer Waffen zu hindern.

Ja, dieser Plot schreit geradezu nach James Bond, und denkwürdigen Bösewichten, großen Schauwerten und einer guten Portion Witz. Ähnlich hätte auch ein Bond-Film zu Connery's oder Moore's Zeiten ablaufen können. Guy Ritchie nutzt das Szenario und Setting, und weiß ganz genau, an welcher Schraube er wie drehen muss, um seine Vorstellung einer Neuauflage der 60er Jahre TV-Serie zu gestalten.
Auffällig, wie auch schon bei seinen Sherlock-Holmes-Filmen, ist seine sehr vitale Inszenierung, gerade was die Kameraarbeit anbelangt. Die einführende Verfolgungsjagd durch das nächtliche Berlin ist rasant inszeniert und geschnitten, und die optischen Spielereien bei der Buggy-Verfolgungsjagd zum Ende hin sind schön anzusehen. Ritchie schafft einen homogenen Mix aus Retro-Elementen und moderner Filmkunst. Dazu gehören auf der einen Seite neben Setting, dem Humor, Musik, den obligatorischen Gadgets Bösewichte aus dem Lehrbuch der 60er und 70er Jahre Filme. Auf der anderen Seite ist es ein moderner Film und zeigt das auch. Neben einer dynamischen Kamera und collagenartigen Zusammenschnitten ist es vor allem die Action-Inszenierung, die zu gefallen weiß. Dabei entwickelt Ritchie durchaus Mut zur eigenen Handschrift, wenn er etwa zu schnellen Action-Sequenzen Jazz und Bigband-Musik spielt.

Als gewitzter Agent Solo kann Henry Canvill zeigen, dass er mehr kann als Kinn hoch und Brust raus in der Rolle des Superman. Mit viel ironischem Spiel gibt er einen sehr charismatischen CIA-Agenten. Auf der anderen Seite überzeugt auch Armie Hammer mit einer etwas emotionaleren, aber zu dem Film natürlich passenden comichaften Darstellung. Newcomerin Alicia Vikander setzt nach Ex-Machina ein weiteres Ausrufezeichen als taffe Mechanikerin, bei der man in einer doppelbödigen Rolle nie sicher sein kann, woran man bei ihr ist.

Fast schon bewusst schludrig und verworren ist allerdings das Storytelling. Da das eigentliche Setting nur so vor Klischees trieft, wird hier einfach eine hanebüchene Wendung nach der anderen serviert. Einzelne Szenen scheinen bewusst aus dem großen Sammelsurium der Agentenfilme zu stammen, und sind ganz gezielt vorhersehbar. Hier sind die Setpieces einfach nur Mittel zum Zweck und werden wie in einem Baukasten zusammengesetzt. Dass trotzdem ein homogenes Ganzes entsteht, spricht allerdings für den Regisseur. Trotzdem könnte man sich ein etwas plausibleres Drehbuch wünschen.


Codename U.N.C.L.E ist purer Pop. Er nimmt alles Flotte und Moderne, vermischt es mit Retro-Charme und einer handwerklich perfekten Inszenierung, fügt eine ordentliche Priese Witz und Humor dazu, und voilà, der perfekte James Bond, der kein Bond ist.



Die charismatische Agenten-Buddy-Komödie hat sich bei mir 4 von 5 Bäumen verdient.

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